Wissenschaftliche Grundlage
Die Vorbeugung von Übergewicht und Adipositas bei Kindern und Jugendlichen ist heute eine der größten Herausforderungen der Wissenschaft und Politik.
- Über 15 Prozent der 3- bis 17-Jährigen sind heute übergewichtig – mit zunehmender Tendenz.
- Adipositas ist in Deutschland wie in anderen europäischen Ländern sozial und ethnisch ungleich verteilt. Die Häufigkeit von Adipositas ist höher bei unteren sozialen Schichten, niedrigem Bildungsstatus und Migrationshintergrund, wobei sich diese Faktoren ergänzen und unter Umständen potenzieren.
- Adipositas im Kindes- und Jugendalter hat vielfältige Auswirkungen auf die Gesundheit und das Wohlbefinden.
Die Therapie von Adipositas ist schwierig, kostspielig und häufig erfolglos. Die Vorbeugung auf Bevölkerungsebene ist daher die Strategie der Wahl. Bisherige Präventionsprogramme der Adipositas bei Kindern in anderen Ländern waren mit Ausnahme von Teileffekten allerdings nicht erfolgreich. In Deutschland mangelt es nicht an Informationsmaßnahmen und handlungsorientierten Projekten zur Kinderernährung. Diese sind meist einmalig und kurzfristig (z. B. Frühstücksaktionen) und überwiegend nicht evaluiert. Auf diese Weise werden kostbare Ressourcen vergeudet, während die Zahl übergewichtiger Kinder stetig steigt.
Das Scheitern der bisherigen Präventionsprogramme könnte auch damit erklärt werden, dass die Ansätze zu vielschichtig, zu wenig fokussiert und die Botschaften für die Zielgruppe der Kinder zu komplex waren.
Die Schule ist hervorragend geeignet für die Gesundheitserziehung von Kindern und Jugendlichen, weil
- ohne großen Rekrutierungsaufwand die Möglichkeit des kontinuierlichen Kontakts zu den Schülern über mehrere Jahre hinweg besteht,
- die Schüler in ihrem natürlichem Umfeld erreicht werden,
- auch anderweitig nicht oder schwer erreichbare Gruppen, d. h. niedrigere soziale Schichten einschließlich Migranten, einbezogen werden können und
- ausgebildetes Personal vorhanden ist.
Kinder können durch schulische Gesundheitserziehung in ihrer Ernährungskompetenz wirksam gefördert und unterstützt werden. Das Umfeld Schule kann dabei sowohl Verhältnisprävention betreiben, d. h. Gesundheitsrisiken in den Umwelt- und Lebensbedingungen werden vermindert oder beseitigt, als auch eine Strategie der Verhaltensprävention z. B. durch Wissensvermittlung, anstreben, also eine Veränderung gesundheitsgefährdender Gewohnheiten und Lebensstile.
Prävention ist umso Erfolg versprechender je früher sie beginnt, d. h. je weniger sich ungünstige Gewohnheiten bereits verfestigt haben. Die Grundschule ist deshalb ein viel versprechender Ort für die Primärprävention.

